Was bedeutet Volatility Drag?
Der Begriff kommt aus dem Englischen, drag heißt so viel wie Bremse. Gemeint ist der Abstand zwischen zwei Arten, eine Rendite über mehrere Jahre auszurechnen: dem einfachen Durchschnitt der Jahresrenditen (arithmetisches Mittel) und der Rendite, mit der das Geld tatsächlich gewachsen ist (geometrisches Mittel, oft als CAGR angegeben).
Ein fester deutscher Begriff hat sich nicht durchgesetzt. Das Prinzip ist reine Mathematik: Ein Verlust wiegt schwerer als ein gleich großer Gewinn, weil er auf einen anderen Ausgangswert gerechnet wird.
Wie entsteht der Volatility Drag? Ein Rechenbeispiel
Du legst 100.000 Euro an. Im ersten Jahr steigt die Anlage um 40 Prozent, im zweiten fällt sie um 20 Prozent. Die 20 Prozent beziehen sich dann aber auf 140.000 Euro, das sind 28.000 Euro Verlust.
- Jahr 1: plus 40 Prozent, aus 100.000 werden 140.000 Euro
- Jahr 2: minus 20 Prozent, aus 140.000 werden 112.000 Euro
- Durchschnitt der beiden Jahresrenditen: 10 Prozent
- tatsächliches Wachstum: 12 Prozent in zwei Jahren, also rund 5,8 Prozent pro Jahr
Warum kann eine Anlage mit weniger Rendite am Ende mehr bringen?
Wiederholt sich das Muster aus plus 40 und minus 20 Prozent zwanzig Jahre lang, werden aus 100.000 Euro rund 310.600 Euro. Eine Anlage, die jedes Jahr gleichmäßig 8 Prozent bringt, kommt im selben Zeitraum auf rund 466.100 Euro. Das sind gut 155.000 Euro mehr, obwohl ihr Durchschnitt 2 Prozentpunkte niedriger liegt.
Das Beispiel ist bewusst vereinfacht, echte Märkte schwanken nicht so regelmäßig. Es zeigt aber, warum ein hoher Durchschnitt allein wenig darüber sagt, was am Ende auf dem Konto steht.
Wie berechnet man die tatsächliche Rendite?
Die tatsächliche jährliche Rendite ist das geometrische Mittel: Endwert geteilt durch Anfangswert, daraus die n-te Wurzel bei n Jahren, minus 1. Im Beispiel ergibt 112.000 geteilt durch 100.000 den Wert 1,12. Die Quadratwurzel daraus ist etwa 1,058, also rund 5,8 Prozent pro Jahr.
Als Faustformel gilt: Die tatsächliche Rendite liegt ungefähr um die Hälfte der quadrierten Volatilität unter dem Durchschnitt. Bei 30 Prozent Schwankung sind das etwa 4,5 Prozentpunkte. Das ist eine Näherung, bei großen Schwankungen weicht sie stärker ab.
Was bedeutet das für Anleger?
Für den Vermögensaufbau zählt, was am Ende absolut auf dem Konto steht. Wer Fonds, ETFs oder Depots vergleicht, sollte deshalb auf die jährliche Rendite über den gesamten Zeitraum schauen, nicht auf den Durchschnitt einzelner Jahre.
Weniger Schwankung kann sich lohnen, auch wenn die Durchschnittsrendite etwas niedriger ist. Breite Streuung dämpft die Schwankungen. Und Verluste wiegen schwer: Nach minus 20 Prozent brauchst du plus 25 Prozent, nach minus 50 Prozent sogar plus 100 Prozent, um wieder beim Ausgangswert zu sein.
